Classicfond Ltd. & Co. KG – Zinszahlungen bleiben offenbar aus

von Guido Schiemann

Informationen zur Classicfond Ltd. & Co. KG

   

   

Die Classicfond Ltd. & Co. KG ist eine Firma mit Sitz in Kochel am See. Es werden Unternehmens-Beteiligungen in Form von Genussrechten vertrieben u. geworben wird mit dieser Anlage u.a. wie folgt „Die Königsklasse für einen privaten Vermögensaufbau“.

Gemäß eigener Werbeaussagen habe man sich im Bereich Vermögensaufbau für den Mittelstand spezialisiert mit dem Ziel, die monatlichen Ausgaben zu senken und das Vermögen zu erhöhen. Dies soll durch das sog. „Classicfond 4 Säulen Portfolio“ erreicht werden.

Aus den werblichen Unternehmensbeschreibungen der Classicfond Ltd. & Co. KG wird aber nicht  klar, wie die Classicfond Ltd. & Co. KG den Vermögensaufbau konkret erreichen möchte. Die Beschreibung des Geschäftsmodells zeichnet sich durch wenig aussagekräftige Allgemeinplätze aus. Die Gesellschaft möchte dem Kunden z.B. „den gleichen Status und Konditionen wie Institute und Großkunden bieten“, ohne darüber aufzuklären, wie dies bewerkstelligt werden soll. Der Internetauftritt ist reißerisch u. mit zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehlern behaftet.

Wer steht hinter der Classicfond Ltd. & Co. KG?

   

   

Die Gesellschaft ist rechtlich eine Ltd. & Co. KG. Persönlich haftende Komplementärgesellschaft ist die engl. Classicfond Swiss Innovation Ltd. und deren Allein-Gesellschafterin und director (ähnlich dem deutschen Geschäftsführer) ist eine Frau Theresa Trykoszko. Diese ist zudem mit einer Anlage von 100,00 Euro an der Classicfond Ltd. & Co. KG als Kommanditistin beteiligt. Frau Trykoszko ist demnach die zentrale Person hinter der Classicfond Ltd. & Co. KG. Hinzu kommt – als weitere verantwortliche Person – der Prokurist der Classicfond Ltd. & Co. KG, Herr Herbert Prettner. Weitere Mitarbeiter der Firma lassen sich nicht recherchieren. Auch die Pressemitteilungen der Classicfond Ltd. & Co. KG sind entweder durch Theresa Trykoszko oder Herbert Prettner verfasst. Nach außen hin scheint einzig Herbert Prettner die Kundenkontakte zu pflegen. Dies haben uns mehrere Mandanten bestätigt.

Was sind Genussrechte?

   

   

Genussrechte sind gesetzlich erwähnte, aber nicht detailliert geregelte Kapitalbeteiligungen an Unternehmen. Sie gehören aber, wie zum Beispiel auch Nachrangdarlehen oder Hybridanleihen, zu einer Mischform aus Fremd- und Eigenkapital eines Unternehmens. Besonders riskant für Anleger ist dabei, dass der Gesetzgeber den Genussrechtsvertragsparteien große Freiheiten gab. Dies erhöht zwar die Anwendungs- und Ausgestaltungsmöglichkeiten, befeuert aber auch Missbrauchspotential.

Im Kern handelt es sich bei Genussrechten um echte Unternehmensbeteiligungen.

Im Zeichnungsschein konnte man wählen zwischen 

  1. a) Einmal-Anlage (Typ A) – Vertragsdauer 30 Monate – (ab 5.000 € Einmalanlage oder ab 50.000 € mit monatlicher Entnahme und es konnte zudem eine Entnahmevereinbarung geschlossen werden in Höhe von 0,66 % monatlich oder 8 % jährlich; zusätzlich sind Kündigungen und Entnahmen bei Einmalanlagen nach 12 vollen Monaten möglich.
  2. b) Kombi-Anlage (Typ B) – Vertragsdauer 60 Monate – (Kombination aus Einmal 3.500 € und Ratenanlage 100 € monatlich
  3. c) ratierliche Anlage (Typ C) – Vertragsdauer 120 Monate – (für Ansparplan ab 100 € monatlich)

Aus den Vertragsbedingungen ergibt sich, dass die Ausschüttungen auf die Genussrechte am 31. Juli des fällig sind, das auf die Kündigung der Genussrechte folgt.

Zudem haben wir in Erfahrung gebracht, dass die Entnahmen auf dem Kontoauszug wie folgt bezeichnet werden: „Entnahme NRD Anlage Rückz./ Ausz.“

Warum eignen sich Genussrechte kaum zur Altersvorsorge und zum effektiven Vermögensaufbau?

   

   

Für unerfahrene Anleger bergen solche Anlagen meist erhebliche Risiken. Denn im Einzelfall können sich zahlreiche Fallstricke in den Verträgen von Genussrechten verbergen. So können im Einzelfall eine Verlustbeteiligung und eine Nachrangabrede vertraglich vereinbart werden. Verlustbeteiligung bedeutet, dass der Anleger bei angehäuften Verlusten des Genussrechtsemittenten weiteres Kapital in das möglicherweise marode Unternehmen nachschießen muss. Die Nachrangabrede regelt, dass der Anleger im Falle der Insolvenz der Firma nach allen anderen Gläubigern – also in fast allen Fällen gar nicht – befriedigt wird.

Diese beiden Aspekte machen Genussrechte auch für Klein- und Privatanleger brandgefährlich, da sich über den eigentlichen Anlagebetrag hinaus Gefahren für das Vermögen und die Altersvorsorge bis hin zur völligen wirtschaftlichen Überforderung ergeben können. Im Falle einer etwaigen Insolvenz ist dann im Regelfall das gesamte eingezahlte Kapital verloren bis auf eine eventuelle geringfügige Quotenausschüttung.

Daher lautet der eindringliche Rat seriöser Vermittler (die meist auf zeitbezogener Honorarbasis bezahlt werden und nicht auf prozentualer Investitionskapitalbasis)  immer, dass sich derartige Kapitalanlagen nur an Profis richten, die für einen vergleichsweise geringen Teil ihres Kapitals bewusst den hochriskanten Weg wählen.

Warum sind Anleger derzeit besorgt?

   

   

Bei uns meldete sich im Mai 2019 ein Kunde der Classicfond Ltd. & Co. KG. Dieser teilte mit, dass bei der Classicfond Ltd. & Co. KG niemand mehr erreichbar sei und er auch keine Antworten auf Mails mehr erhält.

Am 19. August 2019 meldete sich ein weiterer Anleger der Classicfond Ltd. & Co. KG bei uns. Dieser teilte mit, dass er eine Einmalsumme bei der Classicfond Ltd. & Co. KG vor vielen Jahren im Jahre 2011 investierte und stets die Zinszahlungen monatlich erhielt. Jedoch blieben diese Zinszahlungen in den Monaten Januar bis März 2019 aus mit der Behauptung, wegen Softwareproblemen könne derzeit nichts überwiesen werden. Dieser Kunde der Classicfond Ltd. & Co. KG hielt zunächst die Füße still im Glauben an die Seriosität der Classicfond Ltd. & Co. KG und tatsächlich erhielt er zwischen April und Juli 2019 weitere Zinszahlungen, nachdem er in Eigeninitiative viel Druck auf den Einzelprokuristen Herbert Prettner ausübte. Nachdem jedoch im August 2019 seit Wochen niemand mehr bei der Classicfond Ltd. & Co. KG zu erreichen ist – weder per Email oder Telefon-, wandte er sich an uns mit der Bitte um anwaltlichen Beistand.

Dieser Kunde bekam so eine merkwürdige SMS (ohne Begrüßungsanrede), von einer offenbar Classicfonds zugehörigen Nummer:

 „Zurzeit hat die Classicfond massive finanzielle Probleme. 8 Anlagen sind seit letzen Jahres in denen wir investiert sind geplatzt. Inno Energie, K1 Global, Blaue Star New Energie, DSS Vermögensverwaltung 1. KG die 2. KG und Premium Kg Zusätzlich Premium Safe Limited Verwaltungs KG. Wir haben gerade einen Wirtschaftsprüfer beauftragt alle Reserven zu prüfen und einen Plan auszuarbeiten um eine drohende Insolvenz zu vermeiden. Zurzeit müssen wir einmal alle Rückzahlungen aussetzen.“

ilex Rechtsanwälte hat eine Geschädigtengemeinschaft gegründet um die Interessen der Geschädigten der Classicfond Ltd. & Co. KG zu bündeln. Drei unserer Mandanten haben in dieser Sache bereits Strafantrag gestellt und diese hoffen, dass ein Adhäsionsverfahren zugelassen wird, so dass im Falle einer Verurteilung der ggf. deliktisch handelnden Personen die Schadensersatzansprüche nicht langwierig zivilgerichtlich durchgesetzt werden müssen.   

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