bewusste unternehmerische Entscheidung kann zu Haftungsausschluss der beratenden Bank führen

von Guido Schiemann

Hiermit möchte ich über einen Fall aus meiner Praxis als Bankrechtler berichten.

Vorwurf der nicht anleger- und anlagegerechte Beratung.

Eine unternehmerische Mandantin, begab sich zu mir und beklagte, die Hausbank, die ihr aktiv gemanagte     Investmentfonds empfohlen habe, habe eine Fehlberatung zu verantworten, weshalb die Mandantschaft eine Kapitalanlage mit schlechter Performance beklagen müsse. Die Bank habe sie nicht anleger- und anlagegerechte beraten.

Es wurde seitens der Bank der Anschein erweckt, mit einem „Best-of-Two-Prinzip“ des aktiven Fondsmanagements, könnten Risiken gesenkt und stets die richtige Assetklasse (Renten oder Aktien) flexibel zur Maximierung der Performance und auch der Sicherheit ausgewählt werden. Die Mandantschaft äußerte im Beratungsgespräch mit der Bank, dass diese maximal eine Risikoklasse 2- Anlage riskieren könne. Dennoch haben ihr die Bankmitarbeiter erfolgreich ein Produkt aus der Risikoklasse 3 empfohlen. 

hohe Kosten des aktiv gemanagten Fonds (kein Hinweis hierauf

Die enorme Underperformance verwunderte mich jedoch nicht, als ich mir die Kosten des empfohlenen Produkts für einen einjährigen Berichtszeitraum von mehr als 6.000 € ansah (dies zudem in Anbetracht von – heutzutage - sehr kostengünstigen Alternativanlagen). Auf dieses aus den hohen Kosten resultierende Underperformance-Risiko hat die Bank die Mandantschaft nie hingewiesen. Wäre die Mandantschaft darüber aufgeklärt worden, hätte Sie dieses empfohlene (teure) Produkt gemäß Mitteilung nicht gezeichnet

auszugsweise Angriffspunkte für ein Beratungsverschulden

Ein Beratungsverschulden war in Betracht zu ziehen u.a. auf Grund der genannten Risikoklassen-Problematik und auf Grund des Underperformance-Risikos wegen der hohen Kostenstruktur.

Erfolgsaussichten sehr gering

Dennoch kam ich zu dem Resultat, dass die Erfolgsaussichten für den Falle eines Klageverfahrens sehr gering sind.

Mandantschaft hat satzungswidrig in höhere Risikoklasse investiert

Hier gab es nämlich einen Beschluss, den die Mandantschaft vor der Investition intern gefällt hat, nämlich das in das empfohlene Produkt investiert werden solle im Wissen um die unpassende (zu hohe) Risikoklasse und da die Mandantschaft die hohen Kosten zumindest in Erfahrung bringen konnte (ausweislich der Vertragsdokumentation) Die Bank hielt vor Zeichnung eine Präsentation und die Mandantin wusste, dass zumindest hinsichtlich eines der empfohlenen Produkte eine Risikoklasse 3-Klassifizierung vorliege und dass eigentlich nach den internen Bestimmungen nur maximal in die Risikoklasse 2 investiert werden konnte .Dennoch hat man sich auf Seiten der Mandantin dazu entschlossen, entsprechend in die höhere Risikoklasse zu investieren. Zudem gab es schon 2010 sehr kostengünstige Alternativprodukte (passive Fonds ohne teures aktives Management) und es kann erwartet werden, dass von der Mandantin in ihrer Eigenschaft als Unternehmerin dies als bekannt vorausgesetzt werden muss Außerdem würde vor Gericht wahrscheinlich zu Lasten der Mandantin thematisiert werden, dass Letztere zuvor ausschließlich in mündelsichere Festgelder investiert hat. Die bewusste Änderung dieser Anlagestrategie zur einer partiellen Risiko-Klasse-3-Strategie muss schließlich Gründe gehabt haben, die die Mandantin letztlich zu vertreten und zu erklären hat.

aktive Fonds weisen nicht per se eine schlechtere Performance auf

Es gibt zudem nachweislich einige aktiv gemanagte Fonds (insbesodnere Themenfonds), bei denen langfristig ein aktives Fondsmanagement bereits die benchmark (z.B. den EuroStoxxx) mehrjährig geschlagen hat, so dass sich auch daraus nicht zwangsläufig ergibt, dass eine Empfehlung zu Gunsten kostengünstige passive Produkte automatisch zu einem besseren Ergebnis geführt hätte.

etwaige Ansprüche waren zudem teilweise verjährt 

Ferner musste damit gerechnet werden, dass die Bank erfolgreich für sämtliche vor einem bestimmten Zeitraum eingetretenen Schäden die Einrede der Verjährung erheben könnte.

Schadenshöhe is nicht unproblematisch zu bestimmen 

Des Weiteren ist hier auch zu beachten, dass es hier nicht nur sehr schwierig ist, einen Schadensersatzanspruch dem Grunde nach sondern auch der Höhe nach schlüssig zu bestimmen. Da das Best-of-2 Prinzip angewendet werden sollte, müsste man 2 Vergleichsparameter (Benchmarks) im richtigen Mix bestimmen (1x für Aktien, 1x für Renten) und schwierig ist es auch zu bestimmen, ob die Kostenstruktur eines passiven Investments als Vergleichsmaßstab genommen werden kann und welche Benchmark jeweils der passende Vergleichsparameter ist. Fraglich ist hier zudem, ob nur die Minderperformance der Schaden wäre oder auch der entgangene Gewinn, wenn in eine bessere Anlage investiert worden wäre.  

Empfehlung keine Klage zu erheben

Letztlich haben sich mehrere geschäftsfähige Vertreter der Mandantin (welche sich nach hinreichender Vorlaufzeit dazu entschieden, in ein teures, (und nicht wie zuvor) nicht mündelsicheres Anlageprodukt zu investieren, das in eine höhere Risikogruppe eingruppiert ist und diese Rechnung ist nicht „aufgegangen“. Ergo hat sich für die Unternehmensmandantin ebenfalls eine Art von unternehmerisches Risiko realisiert. Unter diesen Umständen riet ich davon ab, den Klageweg zu gehen. Die Mandantin befolgte diesen Rat und ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass dieser Rat richtig war.

Zurück

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Medienpräsenz

Chip Online
Frankfurter Allgemeine
Merkur
Berliner Morgenpost
Sat1
Der Spiegel
ZDF
Chip Online
Frankfurter Allgemeine
Merkur
Berliner Morgenpost
Sat1
Der Spiegel
ZDF
ilex Rechtsanwälte Wirtschaftsrechtliche Beratung und Vertretung vor Gericht hat 4,99 von 5 Sternen 49 Bewertungen auf ProvenExpert.com